Der Himmel über Lucena!

Egal wo man sich auf den Rücken legt und den Wolken beim Treiben zusieht, ist der Himmel gleich.
Ich habe heute vor der Bibliothek auf den Bänken gelegen und geträumt, während Malte auf seiner Gitarre meine Träumerei begleitete.
Der Himmel blau und die Wolken wie durch ein Sieb gepresst, in regelmäßigen Abständen, weiße Punkte von einem zum anderen Horizont.
Die Sonne war schon kurz vorm Untergehen und erleuchtete die Wolken in ihrem strahlenden Licht. Die tiefer hängenden Wolken schon in einem kräftigen Orange, da das Licht sie nicht mehr komplett mit voller Kraft erhellte.

So findet man hier immer mehr parallelen zwischen zu Hause und zu Hause (#2). Es ist nicht mehr alles nur noch verschieden und anders sondern das Leben gleicht immer mehr dem was man aus Europa kennt. Klar bleiben die Unterschiede noch, aber man gewöhnt sich an alles!

Ein Unterschied an den ich mich wohl nicht so gut gewöhnen werde, egal wie lange ich hier bin, ist die Omnipräsenz von christlichen Bildern und Sprüchen. “God is Good” ist der Satz, den ich hier am Meisten gelesen habe. Diese und weitere Sprüche sind auf den Jeepneys, Tricycles, Häusern und anderen Dingen zu finden. Unglaublich was für eine Kreativität beim Erfinden neuer Sprüche zum Vorschein kommt. Es ist aber mehr als einfach nur Religion, habe ich das Gefühl. Das Zusammenspiel von christlichen Glauben und Gemeinschaft ist hier die Grundlage für öffentliches Leben. Der Kirchgang am Sonntagmorgen, die Sprüche auf den Jeepneys und Rund-SMS mit biblischen Ideen oder Zitaten; All das fördert die Gemeinschaft hier, nicht jeder nimmt es ernst, viele gehen Sonntags zur Kirche, weil es von ihnen erwartet wird und weil man Freunde trifft. Wenn man mich fragt welche Religion ich habe, sage ich brav “I am Protestant”. Einige wissen nichts damit an zu fangen, andere bringen das mit den “7. Tag Adventisten” in Zusammenhang und nur ein paar kennen uns überhaupt. Schade eigentlich weil sie Martin Luther erst die Übersetzung der Bibel verdanken.
Nichts desto trotz blieb es uns aber nicht aus einen “Schrein” zu besichtigen. Wir haben in unserer Zeit auf den Philippinen schon die ein oder andere Kirche besichtigt aber KP, Emerald und Tiger versprachen uns einen “Themenpark Gottes”. Und es war nicht untertrieben.

“Kamay ni Hesus” (Hand Jesu) war der edle Name dieses Geländes. Das einzige, dass mich am Ende gewundert hat war, dass wir keinen Eintritt bezahlen mussten!
Das Gelände war in einem Tal gelegen, man betrat es von der vorderen Hang Seite eines Berges, und konnte anschließend das ganze Tal überblicken. Auf der Gegenüberliegenden Seite war ein Hang komplett mit Blumen, Ornamenten und einem serpentinen Weg bebaut. Am Ende der Serpentine und gleichzeitig der Spitze des Berges stand eine ca. 30Meter hohe Jesusstatue. Der Weg und die Ornamente zur Spitze erzählten mit Bildern und Statuen den Weg, den Jesus durchschritt, vom letzen Abendmahl bis zur Kreuzigung.

Arche NoahDoch bevor wir in den Genuss des Aufstiegs kamen mussten wir erst einmal durch das Tal. Dieses war mit weiteren Highlights ausgeschmückt:

  • Der Garten Eden
  • Arche Noah
  • Geschichte von Adam und Eva
  • Souvenir-Shops
  • Eis-Stände
  • Abenteuerspielplatz

Als wir das sahen wussten wir sofort, was KP mit “Themenpark Gottes” meinte. Ich hab leider keine Ahnung wie ich das Beschreiben soll und hoffe einfach, dass euch die wenigen Bilder helfen eine ungefähre Vorstellung zu bekommen.

Nachdem wir nun den Aufstieg zur riesigen Statue gemeistert hatten und wieder im Jeepney saßen ging es weiter in Ems’ Heimatstadt, Tayabas.
Sie ist hier in der Gegend für ihren Kokosnuss-Schnaps (Lambanog) und für ihre Kirche bekannt. Der Lambanog ist in etwa vom Geschmack wie Whiskey aber aromatischer und voller wie ich finde. Vielleicht kommt ihr ja in den Genuss, wenn ich eine Flasche mit nach Hause bringe. Die Kirche soll eine der ältesten auf den Philippinen sein! Sie war echt wunderschön. Das Fresco über dem Altar und die Statuen im Hauptschiff gefielen mir dabei am Besten! Wir besuchten noch das ehemalige Haus des Bürgermeisters, das mittlerweile ein Hotel ist, kauften ein paar Sachen fürs Abendbrot ein und aßen einen kleinen Snack (Merienda).

Ich warte!Im Kontrast zu dem kulturellen Programm, das uns KP, Ems und Tiger liefern, haben wir natürlich auch noch unsere Arbeit in der Bibliothek und unser Projekt mit dem Social Welfare & Development Office. Von letzterem habe ich hier glaube ich noch nichts erzählt und von daher ist es jetzt der perfekte Einschub in meinen Bericht, da wir grade einen Höhepunkt dort miterlebten (oder Tiefpunkt? 🙁 ).
Die SWD Officerin, Mrs. Ruanto, war mir seit unserem ersten Besuch bei ihr im Büro schon sehr sympathisch und von daher erklärten wir uns bereit mit den Kids in einem Waisenhaus in unserer Nähe ein Musikprojekt zu starten.Michael Jackson: Beat it! Dazu kam, dass Mrs. Ruanto Ende November in Ruhestand geht und dazu eine kleine Abschiedsveranstaltung in dem Waisenhaus geben wollte. Als wir also im September mit ihr sprachen, sagten wir auch zu, dass wir dort eine Nummer vorführen würden und somit aktiv am Programm teil nehmen.
Die Regelmäßige Bandprobe, mit Malte als Gitarristen und mir als Sänger, war Anfangs gar kein Problem und wir kamen gut voran, suchten uns 4 Songs raus, die wir spielen wollten und kamen so dem Versprechen immer näher. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit uns, und noch schlchter mit mir. Der zuständige Mitarbeiter beim RAC (Abkürzung des Waisenhausnamen) meinte sich nicht mehr melden zu müssen und uns nurnoch zu ordern, wenn es ihm passte und von daher ging es nur noch schleppend voran mit den Bandproben. Bei einem Meeting mit ihm stellte sich dann auch raus, dass aus den erstmals 4 Liedern nun 3 geworden sind und, dass ich nur noch eins davon singen werde, und, dass alle Lieder aus unserer Liste gestrichen werden, wir uns aber eins aussuchen können, dass im Programm bleibt, das ich dann singen werde. Die anderen 2 werden 2 filippinische Songs und von einem Mädchen gesungen.
Malte an der Gitarre!Ich hatte dann echt die Nase voll davon und weigerte mich zu weiteren Bandproben zu kommen, da ich das eine Lied, dass ich mir ausgesucht hatte auch alleine mit Malte üben konnte. Malte musste ja aber noch die beiden filippinischen Songs auf der Guitarre einstudieren und ging, zwa auch nurnoch unregelmäßig, weiter zu den Bandproben.

Das Konzert rückte Näher und wir hatten unseren Teil schon bis zur Perfektion drauf. Wir hatten aber beide keine Idee wie das ablaufen sollte, wann wir auftreten und und und. Auf der Generalprobe war ich dann das erste mal wieder dabei und wir ließen es uns erklären. Am Ende der Probe war ich mir sicher: Das wird morgen eine geile Show!

Am 13. November standen wir also zeitig auf und zogen uns an, bestellten schnell was bei McDelivery, um eine nährstoffreiche Ernährung zu haben, und machten uns auf zum Soundcheck. Uns wurde gesagt, wir sollen um 12 da sein, und um 14Uhr fängt dann das Programm an. Also sagten wir unserer Kamerafrau Blessie, sie solle um 13Uhr dort sein. Naja der Soundcheck war grausam und auch ein großer Reinfall wie sich später herausstellte und das Konzert fing laut Programm auch erst um 3 an. Also warteten wir noch eine  Stunde mehr… Zum Glück ab 1 dann ja mit Blessie!

Ich singe!13. November, 15Uhr
Das Programm fing an! Tanzeinlagen, Karaokegesänge und Videos standen auf dem Programm bis wir endlich auftraten.
Es ging los. Ich blieb hinter der Bühne, da ich erst im letzten Lied mit sang und bekam von dem Desaster vorne nichts mit. Das Schlagzeug war zu Laut und Edwins Guitarre funktionierte nicht. Dennoch, die Musik kam mehr als gut an! Den wir waren echt verdammt gut! (Ich werde Blessie fragen, ob ich die Videos bekommen kann!)
Endlich kam mein Auftritt! Der Kommentator kündigte mich an und ich marschierte auf die Bühne, bereit meine Verse ins Mikrophon zu geben. “21 Guns” von Green Day im Duett mit unserer bezaubernden Sängerin, deren Namen ich immer noch nicht weiß.

Happy Family!Ich war mit meinem Kopf in den Wolken. Womit wir wieder beim Anfang wären.
Ich bin froh hier gelandet zu sein, die Menschen sind super, ich will keinen missen. Seitdem Blessie wieder von ihrer Urlaubstour aus der Türkei und Marokko zurück ist, ist die Truppe auch wieder vollständig!

Yan

4 Gedanken zu „Der Himmel über Lucena!“

  1. So, nun bist du offensichtlich auch mit der letzten Faser dort angekommen – Yan 😉
    Deine Beschreibung von “verschieden & Paralellen” zu Hause und zu Hause hat mir besonders gut gefallen! Was für ein Reichtum, den Du/ihr mit nach Hause bringt!

    1. Nein, die wichtigste Faser ist noch in Bremen, und das ist mein Herz.

      Norden, Süde, Osten, Westen,
      zu Hause bleibt es doch am allerbesten

      Freut mich, dass ich dich schonmal als Fan gewonnen habe 😉 🙂 Aber Schriftsteller und Sänger steht nicht auf meiner Wunschliste. Die Sängerkarriere hast du mir erfolgreich ausgeredet! 😉

  2. Hallo Jan, habe erst jetzt Deine beiden letzten mails gelesen und Fernweh bekommen.
    Aber wir werden bestimmt schon im Frühjahr nach GR reisen. Und diesmal mit Flieger. Denn ich habe mit meinem Doc gesprochen, ob ich das überhaupt wieder darf.
    Tja, seit drei Wochen sind wir im Haus und leben im Chaos. Im Eßzimmer sind noch reichlich Kartons für mein Büro. Und seit heute abend, ca. 22 Uhr, ist auch mein PC wieder angeschlossen. Für den Telefonanschluß hier hat die TELEKOM sich mal wieder sämtlich Gräten ausgerissen, bevor sie etwas zustande bekamen. Letzten Montag hat dann NORDCOM die letzte Außenarbeit gemacht. Und um 8.20 hat dann ein Mitarbeiter mich aus dem Schlaf geklingelt, um zu sagen, daß das Telefon jetzt “ginge”. Na ja, wach ist wach. Also frühstücken und die nächsten artons auspacken und anderswo einsortieren.
    Die Küche ist bis auf Kleinigkeiten fertig. Das Wohnzimmer braucht nur noch den neuen Tisch und den neuen Fernsehschrank. (Muß Werner noch bauen.) Im Eßzimmer stehen noch meine Bürokartons und ein paar, die in den Keller müssen.
    Schlafzimmer ist bis auf ein paar Kleidungsstücke auch alles untergebracht. Aber gerade diese Klamotten passen nicht mehr in die Schränke. Also überlegt Lü, ob er im Heizungsraum noch eine Kleiderstange anbringt, für die Sachen, die man nicht jeden Monat braucht. Wie z.B. langes Kleid und dunkler Anzug.
    In meinen Büro werde ich voraussichtlich morgen anfangen. Dann sind schon wieder ein paar Kartons weniger im Eßzimmer. Und dann kommen die Keller!!!!!!!!!!
    Mein Tupper- und Bastelkeller dauert auch so 2-3 Tage. Dann der normal übliche Keller. Keine Ahnung, wie lange das dauert. Eine Woche? Dann der Waschkeller.
    Aber dort muß auch Lü erstmal Strom und Licht installieren. Und die Waschma-
    schinen (2) anschließen, bis ich mit Waschen beginnen kann. Es hat sich natürlich hat sich schon wieder einiges angesammelt.
    Mittlerweile habe ich wegen des ständigen rauf und runter ganz schön abgenommen.
    Aber ich muß noch nicht 2 x durch die Tür kommen, um einmal gesehen zu werden.

    Die Bilder für Dich habe ich nicht vergessen. Aber das Packen und so war wichtiger. Und jetzt fängt hier der Schnee schon an. Hatten heute morgen die erste leichte Schicht.
    Mama und Ines haben letzten Sonnabend (nach unserer Feier) schon Adventsgestecke gemacht und uns noch ein schönes gebracht. So können wir am Sonntag auch Kerzenlicht anzünden.
    Unsere Einweihungsfeier (und Feier der Silberhochzeit) in der “Gläsernen Werft”
    war sehr, sehr schön. Die Karte dafür hat Mama auch in Deinem Namen geschrieben.
    Hier also ein dickes Dankeschön an Dich von uns.
    Die Garage bekommt morgen die Seitenfenster und Seitentür eingesetzt. Die Rolltore vorne und hinten sind schon eingesetzt. Danach ist sie fast zu. Oben brauchen nur noch die Dachziegel angebracht werden. Ob jetzt bei der beginnenden Kälte noch Klinkermörtel angerührt werden kann, weiß ich noch nicht. Sonst müssen die auch warten, bis es wieder wärmer wird.
    Tja, das war’s erstmal wieder. Lü kommt auch gleich vom Kegeln. Und danach müssen wir “Alten” auch ins Bett. Also, gute Nacht. Und bis zum nächsten Mal.
    Fühl Dich in den Arm genommen von Deiner
    Tante Barbara

  3. Hallo Jan, ich wünsche dir heute einen schönen ersten Advent, ich glaube aber, dass du dies bei dem schönen Wetter und bei der anderen Nationalität nicht richtig wahrnehmen kannst . Hier ist es kalt und es liegt ein bisschen Schnee, aber gerade richtig für den Advent . Vielen Dank für deinen schönen Bericht, es war sehr interessant zu lesen. So, wie es aussieht, hast du viel Spaß. Die Zeit läuft ganz schön schnell, im Sommer bist du geflogen und jetzt ist schon bald Weihnachten. Demnächst kommt Ines und Christian nach Hamburg, wir wollen auf den Weihnachtsmarkt in Hamburg, darauf freue ich mich schon. Ansonsten gibts nichts Neues. Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit und bis bald
    Deine Dagmar

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